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alten Stil erhalten und teilweise noch verschönert hat. Ungemein malerisch ist der Hofraum des Stachel, ein verhältnismäßig kleiner Platz, aber mit pittoresker Freitreppe und einer köstlichen Terrasse, die von einem festen Steingeländer umschlossen wird.

Grombühlstraße.

3. (Grombühl-)Bezirk. Zieht von der Rimparerstraße bis zur Schweinfurterstraße. Um 1870: Kranbühlstraße. Der Name stammt von der Feldlage Grombühl, früher Crombuhel, Krombühl, Krahnbühl. Die Worte sind die mundartliche Form für Krähenbühl (Bühl-Hügel), also Hügel der Krähen. Auf dem Hügel stand der alte Galgen. Er wird in einer Urkunde aus dem Jahre 1296 erwähnt. Der Radstatt geschieht im Jahre 1315 Erwähnung. Die Müller von Lengfeld waren ehedem verpflichtet, den Galgen im Cranbuhel errichten zu helfen, was sie 1549 zu tun verweigerten. Ihre Weigerung war aber eine vergebliche. Der Galgen scheint nur für Katholiken bestimmt gewesen zu sein, denn der Judengalgen stand auf dem Greinberg. Hs.-Nr. 4. Ein Teil des ehemaligen Wirtschaftsanwesens Smolensk. Die Namen Smolensk, Moskau und Talavera, welche hiesige Besitzungen tragen, stammen aus der Zeit Napoleons I. Wie man nach dem Jahre 1870 einzelne Straßen als Wörth-und Sedanstraße taufte und anderen Straßen die Namen von Feldherren und Staatsmännern gab, geschah Ähnliches auch in der napoleonischen Zeit, als würzburgisch-großherzogliche Truppen in Spanien bei Talavera und 1812 im russischen Feldzuge bei Smolensk kämpften und den Rückzug von Moskau mitmachten. Die genannten Grundstücke in Würzburg waren Ausflugs-und Vergnügungsorte der Würzburger. Smolensk lag im Grombühl, und der Rest des ehemaligen Besitztums trägt die Hausnummer 4 in der Grombühlstraße. Dasselbe war ursprünglich eine Porzellanfabrik, welche in den 1780er Jahren von dem fürstbischöflichen geheimen Kanzlisten Geiger, der zugleich ein geschickter Maler war, errichtet worden war. Als dieser bald darauf starb, wurde das Anwesen von dem fürstbischöflichen General von Drachsdorf erworben und von diesem in eine Haarpuderfabrik umgewandelt. Als mit der französischen Revolution die Mode geändert und der Zopf abgeschnitten wurde, ging die Haarpuderfabrik mit dem Fürstbistum, den Klöstern und Stiften ein. Der Bürger-und Bäckermeister Sartorius, der sogenannte "Hexenbäcker", rettete das Gebäude vor dem gänzlichen Verfall und modelte es, um einem dringenden oder trinkenden Bedürfnis abzuhelfen, in ein Vergnügungslokal um. Dies war 1812, in der Zeit des russischen Feldzuges. Die blutige Schlacht bei Smolensk gab Veranlassung, die Wirtschaft mit diesem Namen zu firmen. Sie hatte neben der Aumühle das beste Renommee unter den Gartenlokalen, und noch 1856 ward sie von dem letzten Besitzer Jakob Grömling erweitert, mutzte aber der alles ringsum verschlingenden Eisenbahn weichen. Der herrliche große Garten wurde in Bahngleise verwandelt, der Tanz-und der Restaurationssaal in

Wohnungen. 1866 wurde im Hause Nr. 6 nebenan von G. Seuffert die Wirtschaft "Neu-Smolensk" gegründet. Das

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